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Blick, 6. August 2005 LOCARNO Samir ist Arabisch und heisst der Erzähler. In seinem Film «Snow White», der morgen im Wettbewerb läuft, erzählt Regisseur Samir (50) von «Party, Sex und Drogen». Und im Interview erzählt er, warum ihn die eigenen Drogenexperimente nicht birrenweich machten. Herr Samir, was versteht ein 50jähriger Familienvater von Party, Sex und Drogen? Vielleicht mehr als die Jungen. Ich habe das selber hinter mir. In meiner Jugend gehörten die drei Reizwörter zur Rebellion. Heute sind sie mit Geldmachen verbunden. Sie sind Teil des hedonistischen Lebensstils, des Körperkults und des Fun-Habens, die eine Industrie bilden. Ich habe«Snow White» gemacht, weil heute die Jugend das gleiche macht wie wir damals, unter anderen Vorzeichen. Wieso werden heute Drogen konsumiert? Ecstasy und Kokain versprechen Instant-Sex und gute Laune. Die Gesellschaft sagt: Das hast du dir verdient - am Wochenende. Es ist verheerend. Die Kids werden birrenweich. Sie meinen jedoch, sie seien sie nicht drogensüchtig. Die Süchtigen sind für sie Junkies an der Nadel. Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Tochter eines Tages Drogenexperimente machen wollte? Ich würde ihr die Folgen erklären, aber nichts verbieten. Obwohl ich Freunde habe, die nicht mehr vom LSD herunterkamen. Jeder junge Mensch muss seinen Weg machen. Was hat Sie damals vor dem Drogenabsturz bewahrt? Ich wurde früh politisiert. Dies hat mir einen Ausweg eröffnet. Der Versuch, die Gesellschaft politisch zu verstehen und als Bürger zu intervenieren, war mein Schutz. Sie waren einer der Aktivisten der Zürcher Unruhen von 1980. Sie gingen aus politischen Gründen auf die Strasse. Heute vereinnahmt die Spassgesellschaft die Strasse mit der Street Parade. Bedauern Sie das? Natürlich ärgert es mich, dass die Generation unpolitisch ist. Ich finde die Street Parade einen etwas spiessigen Folkloreanlass. Aber ich habe keine Vorurteil den Leuten gegenüber, die sich halb blut auf der Quaibrücke austoben. Ich bin eher selbstkritisch mit meiner Generation. Wir haben es versäumt, Alternativen zum Merkantilismus aufzuzeigen. Ihre Frau Stina Werenfels und Sie haben zur selben Zeit je einen Film gedreht und ein Kind bekommen. Haben Sie überhaupt Zeit fürs Familiensein? Wir haben es gut, weil wir uns verstehen. Heute ist unser Hochzeitstag. Wir haben vor fünf Jahren in Locarno geheiratet, kurz vor dem Festival. Eigentlich habe ich Stina versprochen, sie abzuholen. Stattdessen gebe ich das Interview. Aber sie versteht das. Sie kennt die Filmwelt. Allerdings möchte ich mehr Zeit für meine Tochter. She's my Darling. Und ich bin ihr Hero. Interview: Christian Jungen |
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| Last update: 20.01.2006, Dschoint Ventschr Filmproduktion | |||