Blick, 8. August 2005

Der Rapper und die Bankierstochter

LOCARNO. Mit einer märchenhaften Liebesgeschichte zwischen einem Goldküsten-Chick und einem Genfer Arbeitersohn entzaubert Samir in «Snow White» die verlockende Welt des Kokains.

Zwei Welten prallen aufeinander: Nico, Bankierstochter von der Züricher Goldküste, verliebt sich in Paco, einem rappenden Secondo aus der Genfer Vorstadt. Sie kokst und wird hinuntergezogen in den Sumpf aus Schulden, Lügen und Prostitution. Paco nimmt keine Drogen. Er steigt mit seiner Band auf. Die beiden durchleben Höhen und Tiefen.

Samir schildert die Geschichte mit den beiden Hauptfiguren als Ich-Erzählern anfangs spotartig, mit Zeitraffern und Bildern im Bild. Der Film hat zunächst den Stakkato-Rhythmus des Rap, das nervt manchmal. Doch dann lässt er der Geschichte ihren Lauf und sie wird immer besser, emotionaler.

«Snow White» hat die Stimmungskurve eines Kokainerlebnisses. Am Anfang erscheint alles strahlend, hip und sexy. Es folgt die Depression und die Hässlichkeit von Sucht und Sex.

Samir entzaubert die Welt der Drogen, ohne den Reiz ihrer Versprechen zu leugnen. Nicht zuletzt dank seines starken Hauptdarstellers Carlos Leal gewinnt er eine vibrierende emotionale Überzeugungskraft. Der Schluss ist märchenhaft. «Snow White» ist ein Bildstarker Film, der zwar dick aufträgt, aber stark aufwühlt-das junge Publikum wohl stärker als den Studioliebhaber.

Von Christian Jungen
 
     
Last update: 20.01.2006, Dschoint Ventschr Filmproduktion