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NZZ, 10. August 2005 Zürcher Schneewittchen «Snow White», das Märchen um eine Partyprinzessin von der Zürcher Goldküste (Julie Fournier), die sich in einen Rap-Rebellen (Carlos Leal) verliebt, müsste man als Schnee von Vorgestern abtun, wenn der Autor-Regisseur Samir es nicht so brillant verstünde, Klischees ironisch umzuformen: die Langstrasse, Sugar Daddy Boris, der In-Club Casanova, in dessen Toiletten die «Chicks» sich ungestört das Näschen pudern - mit Kokain. Auf die Techniken seiner Videoexperimente zurückgreifend, orchestriert Samir in der ersten Hälfte seines Spielfilmdébuts verschiedenen Filmmaterialien, Formate, Farbpaletten und die Musik zu einem audiovisuellen Hip-Hop, um den Rausch von «Sex, Exzess und American-Express» zu versinnlichen: «Darren Aronofsky meets Wong Kar-wai in Chreis Cheib.» Dann die Ernüchterung, auch des Stils. Kaum ein anderer Schweizer Filmemacher besitzt ein solches Gefühl für das Medium, den Rhythmus, das Licht, von monochrom bis goldschimmernd - ungeachtet einiger Missklänge (Fourniers Synchronstimme etwa) vor dem letztlich überstürzten Happy End, bei dem Schneewittchen aus dem Glashaus in die Arme ihres Prinzen fällt. Die Moral von der Geschicht: Wer antiquiertes Kunstgewerbe à la «Don't Come Knocking» goutiert, dem dürfte «Snow White» sauer aufstossen. Hoffentlich nicht der Jury... Von Andreas Maurer |
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| Last update: 20.01.2006, Dschoint Ventschr Filmproduktion | |||