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Schaffhauser Bock, 10. August 2005 Miese Typen sind die interessanteren Rollen Locarno/Schaffhausen. In Samirs Film «Snow White», der gegenwärtig in Locarno im internationalen Wettbewerb läuft, sind auch die Schaffhauser Schauspieler und Brüder Martin Rapold (32) und Patrick Rapold (30) zu sehen. «Snow White» oder auf deutsch «Schneewittchen» tönt lieblich. Spielen Sie einen Märchenprinzen? Im Gegenteil! Mein Bruder und ich verkörpern zwei Kerle, die sich mit zwei Mädels vergnügen und diesen den Rest geben, weil sie eh schon ziemlich auf dem Absturz sind. Die eine macht Escort-service, weil sie Geld braucht. Wir spielen zwei Freier im Hotel Dolder. Wie kamen Sie zu der Rolle im Doppelpack? Samir wollte uns schon lange mal gemeinsam in einem seiner Filme haben. Es ist nicht das erste Mal, dass Sie zusammen im selben Film spielen? Wir traten schon in einem «Tatort» und in unserem Film «Nocture» von Riccardo Signorell auf, der in der Kategorie «Appelation Suisse» ebenfalls hier in Locarno gezeigt wird. Sind Ihre Rollen etwa gleich lang? Nein, mein Bruder Patrick ist drei Minuten länger zu sehen. Ausserdem spielen auch Schaupieler wie Stefan Gubser oder die berühmte Sunnyi Melles mit. Wie ist Sunnyi Melles denn so? Ich habe sie erst an der Filmpremiere kennengelernt. Sie ist sehr offen, ruhig und sympathisch. «Snow White» lief am Sonntag im Internationalen Wettbewerb. Wie waren die Reaktionen? Das Kino Fevi war voll besetzt, es gab ehrlichen Applaus, Samir will aber einige Buh-Rufe gehört haben. Der Film wird wohl die Zuschauer in zwei Lager teilen. Rechnen Sie sich eine Chance auf den Goldenen Leoparden aus? Schwierige Einschätzung. Als 2001 «Scheherezade», ein Schweizer Film von Riccardo Signorell, mit dem wir ebenfalls schon gefilmt haben, in Locarno im internationalen Wettbewerb gezeigt wurde, kam dieser zwar beim Publikum gut an, erhielt aber trotzdem keinen Leoparden. Samir sagt, «Snow White» sei ein Film, in dem es um die weisse, schweizerische, hedonistisch-protestantische Oberschicht gehe. Der Film spielt in Zürich und es hat tatsächlich vie Weiss drin. Formal hielt man sich da stark an das Design Kokain. Weisse Räume, weisse Trainingsanzüge, etc. und die Schauspielerinnen sehen bleich aus wie Schneewittchen. Befürchten Sie nicht, dass man Sie mit Ihrer Rolle als koksender Kerl identifizieren könnte? Keineswegs. Das Publikum kann differenzieren. Trotzdem. Sie spielen einen ziemlich miesen Typen. Haben Sie damit persönlich ethisch da keine Mühe damit? Wenn das so wäre, dann könnte ich ja viele Rollen gar nicht spielen. Andererseits braucht es stets ein Grundvertrauen gegenüber dem Regisseur, dass er einem in einer solchen Rolle nicht missbraucht. Ich sehe mich in dieser Rolle als dunkle Farbe. Und diese Rollen sind ja in einem Drehbuch meistens die interessanteren als die hellen. Wirklich? Und das Publikum steht oftmals auf die miesen Typen, die so genannten Bad Boys. Aber Sie und Ihr Bruder sind da als koksende Yuppies, die für Sex zahlen, nicht grad ein leuchtendes Beispiel für junge Menschen. Hat man in Ihrer Familie keine Mühe damit? Mein Vater hat den Film noch nicht gesehen. Würden Sie im richtigen Leben für Sex zahlen? Ich glaube, da gibt es schon genug, die sowas tun, da muss ich nicht auch noch mitmachen. IWie geht es in Locarno weiter? Am Samstag läuft unser Film «Nocture». Und am Sonntag bei der Verleihung drücken wir die Daumen! Interview: Ursula Litmanowitsch |
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| Last update: 20.01.2006, Dschoint Ventschr Filmproduktion | |||